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Text-Musikverbindung finden

posted on #1
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Sorry, ausnahmsweise formuliere ich auf deutsch.
Es geht um "Songwriting". Mal wieder. Nicht um Lieder machen.
Zwar habe ich sehr viele "Songs" komponiert und kann diese Arbeit auch erläutern, aber es bleiben Rätsel offen.

Ausgangsthese: Es gibt zu jeder Harmonie eine hervorragende lyrische Hookline, die leider anfangs unbekannt ist. Ferner benötigt man einen inhärenten Einstieg in den ersten Takten.

Gesucht wird die "innere Verbundenheit". Beispiel: "Weine nicht, wenn der Regen fällt. Bam. Bam." Bitte nachspielen, weil darum geht es in der Frage.

Ich spiele gerade ein Lick über zwei Takte E-moll, das war so ähnlich vor 40 Jahren vermutlich mal ein Hit. Die Harmonien sind recht fertig.

Ich finde aber keinen Einstieg in die "zwingende" Textidee. Nein, pure Leere. Keine Botschaft. Keine Hookline. Mir ist die Emotion für den Song unklar.

Wer kennt dieses Problem? Wie wurde es gelöst?
:)
Was born in an analog world.
posted on #2
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Ich kenne dieses Problem und auch ähnliche.
Der Lösungsansatz ist "Inspiration".
Es gibt Leute, welche das als eine göttliche Eingebung betrachten, aber ich zweifele das an, ohne es abzustreiten.
Zweifellos jedoch kommt so etwas selten genug vor, dass man es durch einen Algorithumus, gleich welcher Art, nicht wird produzieren können.
Man könnte das jetzt mit dem Ausdruck "Eigentlich schade" bewerten. Man kann es aber auch einfach hinnehmen und sich daran freuen, dass es dennoch hin und wieder so etwas wie "Inspiration" gibt.
Life is.
posted on #3
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Lieber Will, ich danke dir für deine nette Antwort! Inspiration ist natürlich elementar. Ich kann meine Gitarre nicht morgens neu in die Hand nehmen, ohne sofort eine "neue" Idee erstmalig zu spielen.
Ich verliere im Alter aber immer mehr die sofortige Verbindung mit der Textbotschaft. Das heißt, ich komme immer mehr nur noch über die Musik... :)
Für einige Seminarunterlagen für das Songwriting möchte ich aber einen winzigen Schritt weiter gehen. Also keinen Algorithmus anbieten, aber eine "Arbeitsmethode". Im Kern geht es um Erfolgsberichte außer des üblichen "Plötzlich-war-es-da".

Wie findet man die erste Textzeile zu einem Lick? MIT Inspiration, aber auch ÜBER die Inspiration?

Warum die Musik ohne Text so überquellt, dass sich die Inspiration selbst im Weg steht, taucht dann noch als neue Frage auf. :)
Edited by Neronick on 15-04-2016 14:57
Was born in an analog world.
posted on #4
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Was soll ich sagen?! Es gibt angelblich viele verschiedene Wege zur Erlangung von Inspiration.
Mystiker und andere Schamanen aller Kontinente bieten so etwas seit Urzeiten an. Das wären dann die sogenannten Königswege.
Ob's was hilft, weiß ich nicht: Ich hab's bislang noch nicht geschafft, ein paar Tage lang nichts anderes zu tun, als mit einem Baum zu kommunizieren (um mal nur ein Beispiel zu nennen). Es gibt Leute, die sagen, dass das hilft.
Aber ein Glas guter Wein soll in Einzelfällen auch schon geholfen haben.

Ich glaube, dass es letztlich auf folgendes hinaus läuft:
Der Geist muss frei von dem Bedürfnis werden, Inspiration zu finden: Die Idee muss Dich finden und nicht umgekehrt. Das ist die Grundlage jedes kreativen Prozesses. Alles andere ist Handwerk, welches etwas aus bereits vorhandenen Mustern reproduziert.
Ich hatte Dich aber so verstanden, dass Du Wege aufzeichnen möchtest, welche eben nicht auf bereits vorhandene Muster zurückgreifen.
Life is.
posted on #5
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Ich stimme dir vollauf zu. Mein Apfelbaum soll ganz klein sein, ich will nur einen Apfel greifen. Richtig handwerklich pflücken.

Esoterisch betrachtet zeigt eine Blockade natürlich einen - zu Recht - versperrten Weg an.

Ich bin mit dem Lick bereits etwas weiter gekommen, habe die Folgeharmonien umgeschrieben und quasi über diese Änderungen kamen bereits erste Textideen für den Beginn. Moral: wenn es vorne nicht klappt, ändere hinten was.

Ein noch bescheidenes Ergebnis, aber die Sache bewegt sich zumindest. Kann auch sagen: Man muss alles in Frage stellen und streichen können, was isoliert gut klingt, aber nicht zum blühen führt...

Gespräche sind auch immer nützlich. :)
Edited by Neronick on 15-04-2016 18:59
Was born in an analog world.
posted on #6
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Wilhelm Busch schrieb einmal:

„Gedanken sind nicht stets parat. Man schreibt auch wenn man keine hat“

So ähnlich ist es bei mir.
Wenn ich mich für eine Musik entschieden habe höre ich so lange die Musik in Endlosschleife bis mir meine Gesangslinie für den Song klar ist, dann geht es an das Texten.
Wenn ich Glück hatte ist mir beim "Gesangslinie finden" schon ein erster Satz im Kopf herum gegeistert, ansonsten schalte ich meist erst mal die Musik ab, die habe ich dann grob im Kopf und lasse einfach meine Gedanken schweifen, irgend etwas ergibt sich dann eigentlich immer, früher oder später.
Auf diesem ersten Satz baue ich dann den Rest des Textes auf, ich spinne den Faden einfach weiter.
Zu Hilfe nehme ich gerne die Reimmaschine: https://reimmaschine.de/

Manchmal ergibt sich durch einen unerwarteten Reim eine unerwartete Wendung im Text.

Seltener habe ich vorher eine konkrete Idee was ich sagen will, oder nur ganz grob, im Prinzip gehe ich da aber genauso vor. Mir gefällt es wenn der Text beim Schreiben mit dem Song zusammenwächst.

Ab und zu schreibe ich auch Gedichte oder Liedtexte ohne eine konkrete Musik Idee, hinterher finde ich dann eigentlich immer eine passende Musik zu der ich den Text verwenden kann.

Das Texten fällt manchmal leicht, in der Regel ist es aber (bei mir) ein Kraftakt. Nicht zu früh die Flinte ins Korn werfen, immer weiter auf das Blatt starren, immer weiter die Gedanken kreisen lassen, nicht aufgeben ...

Gene Fowler schrieb einmal:

„Schreiben ist leicht. Alles was man macht ist auf ein leeres Batt Papier zu starren, bis sich Bluttopfen auf der Stirn bilden“

So geht es wohl vielen ;o)
Friedrich Nietzsche: "Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum."
posted on #7
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"...bis sich Bluttropfen auf der Stirn bilden."

Lieber Ulli, ein beeindruckender Beitrag. Schätze deine Offenherzigkeit.

Du bist ja ein textlicher Meister und neben dem ungewohnten Reim erscheint mir als Beoachter deine Fähigkeit zum assoziativen Zitat überragend zu sein. Beispiel: "Nachti-ga-all". Weil es halt nicht die Lerche war...

Als Augenöffner erscheint mir dein Zitat von Gene Fowler: Weil es selbst ein Zitat ist! Das Original, zu dem Gene Fowler die assoziative Nähe herstellt lautet:

"Und er betete in seiner Angst noch inständiger und sein Schweiß war wie Blut, das auf den Boden tropfte." Lukas 22, 24. In meiner Bibel also auf Seite 1184, zum Nachlesen, wer mag.

Beim Suchen der Quelle ist mir aufgefallen, dass über Angstgefühle nicht in den anderen Evangelien berichtet wird. Schön, dass es mehrere Quellen gibt, um daraus zu trinken. Wer suchet, der findet. Bam. Bam.
:)
Was born in an analog world.
posted on #8
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Ich denke dies ist bei jedem etwas anderes. Für mich, wenn ich stecken bleibe, dann lass ich es einfach erstmal liegen. Wenn es die Musik schon gibt, dann höre ich sie, wie Ulo schon gesagt hat, über Tage immer wieder an bis eine Idee kommt. Oder sie kommt nie, das passiert leider auch. "...bis sich Bluttropfen auf der Stirn bilden." - das mach ich nicht mehr (versucht habe ich das oft), denn bei Kunst oder Musik etwas zu stark etwas wollen...funktioniert nicht bei mir. Es kommt zwar etwas heraus, das ist aber dann zu...gewollt?? Also mein Motto ist, liegen lassen bis was kommt, einfach was anderes machen. Manchmal kommt die Idee nach einem Traum, denn es ist ja bekannt das träumen unsere Gedanken in der Nacht organisiert, sozusagen die Festplatte defragmentiert. Der Spruch "eine Nacht darüber schlafen" kommt ja daher und ist nicht falsch... TG
posted on #9
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Ich teile deine Einstellung zur Gewalt gegen Kunst. Keine Gewalt in der Entstehungsphase von Kunstwerken und später schon gar nicht. Bezweifle sogar das Recht eines Bildhauers, sein Frühjahrsschaffen im Herbst zu zertrümmern.

"Liegenlassen zur besseren Lösung" ist eine erfolgreiche und erprobte, oftmals bewährte Methode. Bei mir füllt diese Methode halbe Festplatten und Schränke. :).
Würde es als passive Methode bezeichnen, die aktive Methode ist das Spielen in Endlosschleife mit verschiedenen Ohrhörer. Also irgendwas verändern. Vielleicht mal draußen spielen.
:)
Was born in an analog world.
posted on #10
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Zum Thema: #70315 ;o)
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