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Kategorien für Songbausteine

posted on #1
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Ich hoffe es stört niemanden, wenn ich laut nachdenke. :)

Was ist ein Song und wie wächst das Pflänzchen? Es braucht ja Arbeit und Geduld und Erinnerung und Notizen.

Der kleinste Baustein ist das Lick. Beispiel: Introlick von Satisfaction, das kennt jeder. Ich nenne das auch "Splitter". Samenkorn wäre auch eine passende Bezeichnung. Licks werden per Audiomemo erinnert oder als Tabulatur/Noten notiert.

Die "Sondidee" startet nun mit den nächsten Zeilen. Die Idee hat den Turn noch nicht...

Wie weit ist die Kategorie "Idee" zu fassen? Beispiel: eine I-VIm-IV-V Verbindung ist noch keine Songidee per se. Haben wir alle hundertfach gespielt. Ich muss aber nur einen Rhythmus mit einer kleinen Gegenmelodie einflechten und eine Songidee entsteht neu.

Nun als Splitter noch eine allerste "Aussage" und eine "Emotion", und die Songidee ist entwickelter.

Manchmal tut sich an einem Tag nicht mehr, man notiert es also oder es geht vermutlich im Kraut der weiteren Ideen unter.

Man könnte ja der Ansicht sein, das Lick von Satisfaction ist so "einfach", das es sich nicht lohnt, es zu notieren. Viele Lick-Splitter haben noch keinen Turn, der zum Refrain führt, der das Lick wieder aufruft.

Schreibe vielleicht mal weiter.
:)
Was born in an analog world.
posted on #2
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Bisher: Eine Songidee ist weniger als ein Song, aber mehr als ein Lick oder ein Splitter wie eine Titelidee oder eine Reimidee.

Eine Songidee ist mehr als eine reine Harmoniefolge; sagen wir von vier Takten. Eine Songidee entsteht aus Harmoniefolge plus "X". Was ist das X? Imagination!

Beispiel: Am-Em-G-D

Während die vier Takte in die Finger huschen, folgendes Bild im Kopf: Alpenlandschaft, ein endloses Meer von Blumen, die Sonne erhebt sich und die Blumen explodieren in einem Rausch von Licht und Wind.

Aus einer Harmoniefolge entsteht durch das Abfärben der Imagination eine erste Songidee. Nun wird es Zeit für Technik und Handwerk, um eine Komposition aus der Idee zu schaffen.
:)
Edited by Neronick on 30-05-2016 10:18
Was born in an analog world.
posted on #3
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Nur ein paar neue Sätze: Ein fertiger Song hat zwei Eigenschaften. Er ist endlich und hat eine Struktur. Deshalb lässt er sich angenehm leicht analysieren. Man zerlegt ihn dann in seine Bausteine.
Komponieren ist also die Umkehrung der Analyse, man setzt Bausteine zusammen. Und man schafft neue Bausteine. Weil Ästhetik nach Abwechslung verlangt.

Beispiel. Baustein 1: C C D D
4 Takte, 2 Akkorde. Nutze ich selbst sehr oft.
Baustein 2: C C G G7
4 Takte, 3 Akkorde.

Wir basteln nun quasi automatisch einen Song, wenn wir Bausteine zusammensetzen. Versuch: 2-1-2-1 oder 2-2-2-1.
Nun setzen wir aber die Feile an! In Baustein tauschen wir C mit der Mollparallele. Ergibt C C G G7 Am Am D D.
Mehr Abwechslung! Wir teilen einen Takt in zwei Halbtakte:
Am Am |Am C | D

Der neue Song ist fertig. Klingt gar nicht nach Lego. Textideen für Strophen mit 16 Takten sind schnell gefunden...
:)
Mit Voicings, Picking Patterns, Grooves usw. usw. spielen. Der kindliche Spieltrieb hilft auf der Suche nach Ästhetik und Abwechslung.
Was born in an analog world.
posted on #4
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Songbausteine sind musikalisch wichtig und juristisch bedeutsam. Die aktuelle Diskussion dreht sich darum, ab welcher Größe eines Bausteins ein Plagiat wird. Oder wie winzig es sein darf.

Hat die Tonfolge c-b-bes-a bereits originelle Erfindungshöhe?

Ist Musik in Form von Bausteinen bereits vollständig auskomponiert? Da ich, je älter ich werde immer müheloser neue Bausteine für mich entdecke, halte ich ihre Anzahl für unendlich. Das muss für jedes Genre gelten!

Man kann also - welch Wunder - permanent neue "einmalige" Songs komponieren. Songs, die man nicht unterscheiden könnte, wären gleich. An irgendeiner Stelle muss also die Unterscheidbarkeit gelingen. Auf der Ebene des Songs.

Eine andere Ebene ist die Unterschiedlichkeit zwischen Original und Cover. Kein Mensch konnte jemals Hendrix so spielen, dass man sie verwechseln könnte oder gar das Cover (bzw. das Plagiat) vorziehen würde. :).

Kann man jemals ein Rating definieren, mit dem sich Ähnlichkeit messen lässt. Ein Folksong hat hohe Ähnlichkeit mit dem Genre Folk, eben aufgrund der notwendigen Bausteine und der notwendigen Spieltechnik.
...
:)
Was born in an analog world.
posted on #5
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Zum Komponieren innerhalb eines Genres benutzt man also Songbausteine. Das kreative Spielen damit gelingt am besten in einem Zustand der Entspannung. Ohne Willen. Ich finde jeden Morgen eine neue "Kombination", immer genau, wenn ich zu spielen beginne. Ich weiß dann nicht, was ich will. Ich suche auch nichts. Mit Sicherheit ist eine gewisse Vergesslichkeit hilfreich, um neues zu entdecken. :)

Das beschreibende Bild hierzu: Spaziergang am Meer. Sobald man sich bückt, findet man eine neue Muschel.

Ob man jede Muschel fotografieren und her zeigen muss, ist eine andere Frage. Jedenfalls muss man spazieren und sich bücken und Freude am Muschelsammeln mitbringen. Dann findet man sie.
:)
Was born in an analog world.
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